Befreiung ist eine Illusion

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Das Konzept der Befreiung im Sinne von Herbeiführen von Unabhängigkeit ist eine Illusion. Es gibt nichts wovon wir uns befreien könnten. Alles ist von dem einen Ursprung, aus der einen Quelle, in dem einen Urgrund.

Wir können uns nur dann von etwas befreien, wenn wir uns getrennt davon sehen. Wenn wir unseren Arm nicht als Teil von uns sehen, können wir ihn abschneiden und uns von ihm befreien. Aber bedeutet die Verbundenheit mit unserem Arm Unfreiheit? Besteht nicht eine sinnvolle Abhängigkeit von dem Arm bzw. ein harmonisches Ganzes mit ihm als Teil davon?

Wenn Freiheit Verneinung von Abhängigkeit ist, dann ist sie eine Illusion genau wie die Unabhängigkeit selbst. Wenn ich nach Geld strebe, um frei zu sein, ist meine Freiheit abhängig vom Geld. Wenn ich spirituelle Handlungen durchführe, um frei zu sein, ist meine Freiheit abhängig von spirituellen Handlungen. Wenn ich irgendetwas tue, um frei zu sein, ist meine Freiheit abhängig von diesem Tun. Ist das dann Freiheit? Freiheit entsteht niemals durch Handlung.

Denn Freiheit ist schon da, sie will nur erkannt werden. Alle Erscheinungen, alle Objekte in der Welt sind abhängig vom Absoluten, vom Subjekt. Identifiziere ich mich mit den Objekten, den Erscheinungen des Absoluten, kann ich versuchen, mich von der Abhängigkeit von anderen Erscheinungen des Absoluten zu befreien, weil ich sie nicht als Teil von mir (an)erkenne. Identifiziere ich mich mit dem Absoluten, gibt es nichts wovon ich mich befreien könnte, denn alles innerhalb des Absoluten, gehört zu mir, wie der Arm zum Menschen und der Mensch zum Absoluten.

Begreife ich „meine“ Person als Objekt und mich als das Subjekt, erfahre ich absolute Freiheit.

4 thoughts on “Befreiung ist eine Illusion

    neue-heilarbeit said:
    9. Juni 2017 at 19:11

    Wow, ein sehr toller Gedanke, den ich so noch nie gedacht habe… Ich würde das verschieden Aspekte unterscheiden. Freiheit im Sinne von Unabhängigkeit,wei du hier schreibst, kann es nicht geben, weil wir alle verbunden sind. Ja. Aber Freiheit im Sinne von selbstbestimmt sein, anstatt z. b. Süchten oder unbewussten Programmen ausgeliefert zu sein, ist keine Illusion. Das sind meine Gedanken dazu. Liebe Grüße von Tina

      thomas.klehn responded:
      1. August 2017 at 11:48

      Vielen Dank für Deinen Kommentar, Tina. Es ist auf jeden Fall ein Thema, das uns nicht loslässt. Deshalb kommt gleich ein neuer Beitrag zum Thema Freiheitsdrang 🙂 LG! Tom

    Christian Janik said:
    13. Juni 2016 at 11:56

    Hallo YogaLehrer-Team, wie ist der Satz : “Begreife ich „meine“ Person als Objekt und mich als das Subjekt, erfahre ich absolute Freiheit”, zu verstehen. Könntet ihr mir das verständlich machen? DANKE im Voraus!

      thomas.klehn responded:
      13. Juni 2016 at 19:37

      Hallo Christian, vielen Dank für Deine Nachfrage. Wenn Du Dir einen Tisch aus Holz anschaust, welche Aussage ist wahrer: 1. Es ist ein Tisch? 2. Es ist Holz? Man könnte sagen Holz ist wahrer, weil das Holz schon da war, bevor es die Form und Funktion eines Tisches eingenommen hatte. Wenn jemand aus dem Tisch einen Stuhl macht oder Zahnstocher ändert sich Form und Funktion aber die Substanz bleibt Holz. Dieses Beispiel wird oft verwendet, um sich der Frage zu nähern, was ist unser Holz? Was ist unsere wahre Substanz? Ist es unser Körper, der aus recycelter Nahrung besteht, sind es unsere Gedanken, unsere Erfahrungen, Gefühle, unser Lebenslauf – unsere Person? Was macht eine Person aus, wie beschreibt man eine Person, wie unterscheidet man die eine von einer anderen? Man beschreibt in der Regel deren Lebenslauf, die Erfahrungen, Meinungen, Überzeugungen dieser Person. All dies sind temporäre Erscheinungen, die sich im Laufe des Lebens zu einer Person formen. Aber begannen wir erst zu existieren, als wir diese Punkte in unserem Lebenslauf abgehakt hatten, als wir die Schule absolviert haben, eine Ausbildung gemacht haben, vielleicht ein Studium, einen Job bekommen haben, eine leitende Funktion erreicht haben, ein Auszeichnung für besondere Verdienste bekommen haben, Gesangswettberwerbe gewonnen haben, Menschen aus einer brenzlichen Situation gerettet haben, ein Kind bekommen und groß gezogen haben, ein Auto gekauft und einen Baum gepflanzt haben, China besucht und unsere Yogafähigkeiten perfektioniert haben? Die Liste dessen, womit wir uns als Person identifizieren ist so lang wie unser Leben und so wandelbar.Was ist das in uns was sich niemals ändert? Was ist immer da gewesen? Was ist unser Holz? Vedanta lehrt Bewusstsein und Existenz zum Beispiel wären zwei solche Qualitäten. So lang wir uns zurück erinnern können waren wir immer Existent und bewusst. Man sagt, der Beobachter in uns, der das Kind, den Teen, den Azubi oder Studenten gesehen hat, den Ehemann, Vater, Großvater ist unverändert. Und der Umstand, dass wir existieren ist ebenfalls unbestreitbar. Es scheint also, dass wir auf der Suche nach unserer andauernden und wahren im Sinne von beständigen Identität hier auf der richtigen Spur sind. Bewusstsein und Existenz scheinen etwas mit unserer wahren Identität zu tun zu haben. Freiheit oder Moksha, wie es als Ziel im Yoga angesehen wird bedeutet im Sinne von Vedanta Freiheit von der Begrenztheit und Identifikation mit der Person, welches durch das Erkennen unserer dauerhaften, übergeordneten oder einfassenden Identität als ewige, bewusste Existenz herbeigeführt wird. Als Person wird meist die Summe aller Erfahrungen, die sie im Laufe ihres Lebens gemacht hat, gesehen, das ist nicht unwahr aber nicht die ganze Wahrheit. Ein Holztisch ohne Holz würde nicht existieren und wir nicht ohne unser Holz. Deshalb kann man – zugegebener maßen etwas provokant – sagen, verstehe Deine Person als ein Objekt. Objekte sind das was wir beobachten können, was kommt, ist und geht, temporäre Erscheinungen unseres Holzes, um im Bild zu bleiben. Dem Holz ist es egal, ob es Tisch, Stuhl oder Zahnstocher wird, es bleibt immer Holz und wir bleiben immer Sat Chid Ananda, Bewusstsein, Existenz und Freude. “Begreife ich „meine“ Person als Objekt und mich als das Subjekt, erfahre ich absolute Freiheit” versucht das Gefühl der Liebe, Dankbarkeit, des Vertrauens, der Verbundenheit und die Leichtigkeit des Erlebens einer Person zu beschreiben, weil sie weiß, diese Person ist ein Ausdrucksform meines wahren, unveränderlichen, niemals getrennt existierenden lichtvollen Selbst, das eins mit dem Urgrund allen Seins ist. War das hilfreich? LG! Tom

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