Vedanta

FREIHEITSDRANG – WO KOMMT ER HER?

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Befreiung ist eine Illusion, Freiheit unsere Natur

Den Wunsch nach Freiheit und Selbstbestimmtheit muss uns niemand eingeben. Schon ein einjähriges Kind verteidigt seinen Willen mit Händen und Füßen.
Dieser Drang scheint uns innezuwohnen. Was ist seine Ursache, seine Herkunft? Was ist die Quelle unseres permanenten Strebens nach Freiheit und Befreiung? Warum gilt uns die Freiheit als so hohes Gut?

Niemand strebt nicht nach Freiheit.

Tatsächlich tun wir nichts anderes im Leben. Wir essen, um uns vom Hunger zu befreien, wir schlafen, um uns von der Müdigkeit zu befreien, wir gehen Beziehungen ein, um uns von der Einsamkeit zu befreien, wir lernen, um uns von Unkenntnis zu befreien, wir streben nach Macht, um uns von der Ohnmacht zu befreien, wir streben nach Besitz, Vermögen und Bestätigung, um uns von Unsicherheit zu befreien.
Der Drang, uns zu befreien, scheint umso intensiver zu wirken, je mehr wir uns selbst als gefangen sehen, als begrenzte Person in einer begrenzten Welt voll mit
Erwartungen an uns. Unser Freiheitsdrang scheint verbunden zu sein mit dem Bild, das wir von uns selbst haben.

Können wir uns vielleicht befreien oder wenigstens befreit fühlen, wenn wir das Bild ändern, das wir von uns haben?

Ja und nein. Wir können uns nicht befreien, weil wir bereits frei sind, aber wir wissen es nicht, solange wir ein unvollständiges Selbstbild haben.

Die Qualität unseres Lebens hängt daran, wofür wir uns selbst halten.

Halten wir uns für klein, begrenzt, schwach und abgeschnitten? Sind wir Opfer der Umstände? Sind wir reduziert auf die Begrenztheit der Person, des Körpers, Geistes, Intellektes, unseres Lebenslaufes oder unseres Bankkontos? Oder sind wir die Quelle unseres Freiheitsstrebens, immer frei, nicht zu begrenzen und ewig?

Im Teenageralter glauben wir, frei zu sein bedeutet, anders zu sein.

Anders als Eltern, Geschwister, Lehrer, Mitschüler. Doch nur anders zu sein, macht uns nicht wirklich freier. Im Gegenteil. Die vermeintliche Freiheit entpuppt sich früher oder später als nichts anderes als eine verdrehte Form der Abhängigkeit von dem, das wir eigentlich vermeiden wollten. Der andere ist blau, deshalb kann ich nicht blau sein, ich muss grün sein, um frei zu sein! Anders und besonders sein Wollen als vermeintliches Mittel zur Befreiung – it’s a trap!
Ein anderer Irrweg auf der Suche nach Befreiung ist der Glaube, Freiheit bedeute, immer zu bekommen was man will. Was gibt uns eigentlich unseren Willen ein? Sind wir die Herren unseres Willens? Weißt Du jetzt schon was Du in 10 Minuten denken wirst? Kreieren wir unseren Willen? Ist ein großer Schritt Richtung Freiheit für die Person nicht vielleicht die Freiheit vom Willen der Person?

Wann immer wir uns unfrei fühlen, der Verstand ist der Schlüssel.

Verstand kommt von verstehen, und es gibt etwas Essentielles über uns zu verstehen, das uns kein Lehrer in der Schule beigebracht hat – unsere Freiheit war niemals beeinträchtigt, sie ist unantastbar. Der Glaube, begrenzt und gefangen zu sein, zeigt, dass wir nicht (an)erkennen können oder wollen, worauf die permanent in uns brennende Sehnsucht nach Freiheit hindeutet, nämlich unser freies und nicht zu begrenzendes ersten Selbst, die Ursache und Essenz unseres zweiten Selbst als begrenzte und abhängige Person.
Aber was ist dieses erste oder eigentliche weil permanente Selbst? Was macht uns essentiell aus? Was ist der Teil an uns, auf den wir bauen können, der stabil und verlässlich ist, der sich niemals ändert, der also wahr, wahrhaftig ist?

Wir sind Bewusstheit und Existenz!

Beides verändert sich zeit unseres Lebens niemals. Was ist Existenz und wie viele Existenzen gibt es? Es gibt nur eine Existenz, das übergeordnete Prinzip in der Welt und unzählige Ausdrucksformen ihrer. Und diese Ausdrucksformen werden von Bewusstheit bezeugt. Es gibt nur eine Bewusstheit, mit vielen Augen.
Wir alle teilen ein und dieselbe Bewusstheit und Existenz, und wir sind sie auch, jedenfalls mehr als die Personen Max, Paul oder Jessica. Es fällt schwer, das auszusprechen oder anzunehmen. Wir nehmen jede noch so flüchtige Ausdrucksform unserer Existenz und unseres Bewusstseins gern als unser Ich an, ich bin müde, ich bin durstig, ich bin hungrig, ich bin zielstrebig, ich bin ein Deutscher, ich bin ein Lehrer, ich bin ein Musiker, ich bin ein Autofahrer, ich bin eine Mutter, ich bin ich bin ich bin…. Wechselnde temporäre Eigenschaften und Formen unserer Bewusstheit und Existenz, die allesamt vergänglich sind, die kommen und gehen und die wir uns dennoch gern und bereitwillig als Label um den Hals hängen, um uns selbst zu definieren. Aber ich bin Bewusstheit, oder ich bin Existenz will uns nur schwer über die Lippen gehen, obwohl es die einzigen beiden Zustände sind, die wir immer und permanent sind. Aber dieser Umstand widerspricht dem oft so tief in uns verwurzelten Glauben, klein und begrenzt zu sein. Nur das macht es uns so schwer, zu glauben, dass wir bereits frei sind, und schickt uns auf die vergebliche Suche nach der Freiheit der äußeren Welt.
Wir sind freie Bewusstheit und freie Existenz, die große und simple, alles umfassende und hervorbringende Existenz und Bewusstheit, in jedem Moment unseres Lebens als Mensch und darüber hinaus. Und diese Bewusstheit und Existenz ist frei von allen kommenden und gehenden Objekten in der Welt, selbst von unserer vergänglichen Person.

Unsere Person ist heute nicht mehr die Person, die sie als Kind war.

Unser Körper, unsere Erfahrungen und Fähigkeiten, unser Wissen und unsere Überzeugungen haben sich verändert und verändern sich weiter. Wir sagen, ich bin nicht mehr der oder die ich einmal war. Das ist Ausdruck der eignen Identifikation mit dem Vergänglichen, dem Wechselhaften und widerspiegelt eine begrenzte Sicht auf das eigene Selbst, was den Drang verursacht, sich davon zu befreien, weil es unserer Natur widerspricht. Wir sind auch und mehr noch das, was sich eben nicht ändert, was immer gleich bleibt. Wir sind auch das, was die Wahrnehmung der Veränderungen und Entwicklung unserer Person und der Welt erst ermöglicht. Existenz und Bewusstheit.

Ohne Existenz gäbe es nichts, was Bewusstheit bezeugen könnte.

Aber auch Nichts ist etwas und es existiert. Wir sind uns darüber bewusst, dass wir im Tiefschlaf nichts wahrnehmen. Bewusstheit existiert. Bewusstheit und Existenz sind untrennbar mit einander verwoben. Was auch immer sich in unserem Leben ändert, wir bleiben uns unserer Existenz bewusst, in der begrenzten Ausdrucksform als Person, die den Gesetzen des Geborenwerdens, Existierens und der Auflösung unterworfen ist, aber vielleicht auch als die Ursache für die Welt.

Absolute Freiheit vom Werden, Sein und Vergehen, das ist es was wir wirklich sind.

Werden, Sein und Vergehen sind Prinzipien in uns, Bewusstsein und Existenz. Und jedePerson ist in Bewusstheit und Existenz eingebettet und untrennbar damit verbunden, was jede Person, jedes Wesen mit jedem anderen verbindet. Das ist Yoga – Verbundenheit, die immer besteht. Vielleicht streben wir deshalb seit unserer Kindheit nach Freiheit in einer begrenzten Welt, weil wir tief in uns wissen, dass jede Abhängigkeit eine sich auflösende Illusion ist. Das höchste und unantastbare Prinzip, das Absolute, die erste und einzige Ursache von allem, ist ein und dasselbe wie die Essenz und die wahre Natur eines jeden Wesens innerhalb und außerhalb der Welt. Alles andere ist Theater, sind verschiedene Filme, die die weiße Leinwand auf der sie ablaufen nur scheinbar aber niemals wirklich beeinträchtigen können. Die Leinwand ist immer frei von Beeinträchtigung. Wir sind die Leinwand und der Film.

Befreiung ist eine Illusion, Freiheit unsere Natur

Warum wir in Wahrheit nichts sind

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Im Englischen heißt nichts nothing – keine Sache, kein Objekt. Das ist es, was wir tatsächlich sind. Und dieses „Nicht Ding“ ist Ursache jeden Dinges in der Welt, jeden Objektes.

Der Lehre des Vedanta folgend ist die Ursache für jedes Objekt etwas Absolutes, ein Subjekt. Ohne Subjekt kein Objekt.

Objekte sind Dinge, Konzepte, Ideen, Kräfte, Gedanken, Meinungen, Gefühle, alles was wir wahrnehmen oder uns vorstellen können, selbst Personen als Bündel von all dem plus ein Körper, generiert aus Nahrung. Kein einziges Objekt ist jemals getrennt von dem absoluten No thing, dem „Nicht Ding“, dem ursprünglichen Subjekt.

Tatsächlich ist jedes Objekt in seiner Essenz dieses „Nicht Ding“, das Subjekt. Andersherum ist dieses Subjekt aber nicht auf die Qualitäten eines einzelnen Objektes oder der Summe der Qualitäten aller Objekte beschränkt. Es ist frei von Kreation, Existenz und Vergänglichkeit, obwohl es diese Qualitäten in der Welt ermöglicht. Wenn eine Person ein Objekt ist, kann sie nicht unser wahres Ich sein, das Ich, das meine Person bezeugt, erfährt und erfahrbar macht. Also wer bin ich dann wirklich, wenn nicht meine Person?

Die deutsche Sprache ist ziemlich ungriffig, finde ich, wenn man das Selbst zu beschreiben versucht. Im Englischen fließt das irgendwie besser:

Our essence is nothing, no thing – which inlcudes every thing.

Following the view of vedanta, every object (things, concepts, powers, thoughts, opinions, feelings, even persons…) is born out of the absolute (subject). Everything, every object is never separated from the one no thing. It actually and essentially IS the no thing. But the no thing is not limited to any object or to the summery of all objects. If a person is an object, it can not be me, the one who is witnessing the person as a summery of changing experiences, opinions, desires and fears and a changing body made of food. So who am I really!?

Befreiung ist eine Illusion

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Das Konzept der Befreiung im Sinne von Herbeiführen von Unabhängigkeit ist eine Illusion. Es gibt nichts wovon wir uns befreien könnten. Alles ist von dem einen Ursprung, aus der einen Quelle, in dem einen Urgrund.

Wir können uns nur dann von etwas befreien, wenn wir uns getrennt davon sehen. Wenn wir unseren Arm nicht als Teil von uns sehen, können wir ihn abschneiden und uns von ihm befreien. Aber bedeutet die Verbundenheit mit unserem Arm Unfreiheit? Besteht nicht eine sinnvolle Abhängigkeit von dem Arm bzw. ein harmonisches Ganzes mit ihm als Teil davon?

Wenn Freiheit Verneinung von Abhängigkeit ist, dann ist sie eine Illusion genau wie die Unabhängigkeit selbst. Wenn ich nach Geld strebe, um frei zu sein, ist meine Freiheit abhängig vom Geld. Wenn ich spirituelle Handlungen durchführe, um frei zu sein, ist meine Freiheit abhängig von spirituellen Handlungen. Wenn ich irgendetwas tue, um frei zu sein, ist meine Freiheit abhängig von diesem Tun. Ist das dann Freiheit? Freiheit entsteht niemals durch Handlung.

Denn Freiheit ist schon da, sie will nur erkannt werden. Alle Erscheinungen, alle Objekte in der Welt sind abhängig vom Absoluten, vom Subjekt. Identifiziere ich mich mit den Objekten, den Erscheinungen des Absoluten, kann ich versuchen, mich von der Abhängigkeit von anderen Erscheinungen des Absoluten zu befreien, weil ich sie nicht als Teil von mir (an)erkenne. Identifiziere ich mich mit dem Absoluten, gibt es nichts wovon ich mich befreien könnte, denn alles innerhalb des Absoluten, gehört zu mir, wie der Arm zum Menschen und der Mensch zum Absoluten.

Begreife ich „meine“ Person als Objekt und mich als das Subjekt, erfahre ich absolute Freiheit.

WAS IST KARMA-YOGA?

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1. Jeder Mensch ist ständig mit Allem um sich herum und dessen Ursprung verbunden, ob er sich das bewusst macht oder nicht.

2. Menschen sind begrenzt in ihrer Wahrnehmung, ihren Erfahrungen, Überzeugungen und ihrer Interpretationsfähigkeit.

3. Jeder Mensch hat eine Hauptidentität, die unbegrenzt ist und sich nicht von der jedes anderen Wesens unterscheidet.

4. Jede Aktion in der Welt bringt eine adäquate Reaktion hervor, die in ihrer Entstehung den in der Welt geltenden Gesetzen folgt.

5. Unsere Meinung darüber, was eine adäquate Reaktion sein müsste und was sie tatsächlich ist, sind oft zwei Paar Schuhe.

Jetzt kommt Karma-Yoga ins Spiel: Yoga schafft keine Verbindung, sondern macht sie uns bewusst. Karma-Yoga ist eine Einstellung, in der wir handeln, um Leid und aufwühlende Erfahrungen und Gefühle zu vermeiden, die uns zu Gedanken, Worten oder neuen Taten verleiten können, die uns oder anderen Leid tun.

Wenn wir die Punkte oben verinnerlichen, können wir beitragend aus dem Bewusstsein der Verbundenheit heraus handeln, statt aus dem Gefühl eines Mangels heraus, extrahierend und zerstörerisch. Und wir können JEDES Ergebnis unseres Handelns annehmen und dabei entspannt bleiben, in Harmonie, Klarheit und Frieden. Wir müssen uns nicht ärgern, enttäuscht oder wütend werden, wenn etwas, das wir in bester Absicht getan haben, nicht zum gewünschten oder erwarteten Ergebnis führt.

Warum? Wir können als Mensch niemals absichtslos handeln. Wir können unserer eigenen begrenzten und veränderlichen  Überzeugung nach angemessen oder unangemessen handeln. Jede Handlung, ist dabei wie ein Ping-Pong Spiel mit der Schöpfung, eine Kommunikation mit ihr, ein Lernprozess, ein ständiges Hin- und Her. Wir dürfen uns darauf verlassen, dass die Entstehung jeder Reaktion, die unser Handeln provoziert, immer alle involvierten Faktoren berücksichtigt, auch diejenigen, die wir nicht kennen oder sehen. Die Ergebnisse allen Handelns in der Welt dienen nicht der Bestätigung meiner Erwartungen und Mutmaßungen. Sie dienen dem Wohn des Ganzen und sind immer die einzig möglichen und richtigen in diesem Moment und den gegebenen Umständen.

Wenn sich Ergebnisse mit unseren Erwartungen decken – schön! Wenn nicht – auch schön! Dann können wir meist etwas lernen.

Das ist die Karma-Yoga Einstellung, die wir an jedem Tag und in jeder Situation im Leben praktizieren können, egal ob wir in einer Höhle sitzen oder am gesellschaftlichen Leben teilnehmen:

Trage etwas bei und sei offen für jedes Resultat!

INTERVIEW – NONDUALE LIEBESBEZIEHUNGEN – jetzt online!

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Klick hier für den kompletten Film:

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Wer würde nicht gern das Geheimnis einer andauernden, glücklichen Liebesbeziehung kennen? Als ich anfang des Jahres 2015 in Südindien James und Sundari Swartz als Paar kennenlernte, war ich ganz begeistert von der Art des liebevollen Umgangs, den die beiden spirituellen Lehrer miteinander pflegten. In dem Interview fragte ich sie nach ihrem Geheimnis, der Natur einer nondualen Beziehung.

Trailer

 

NEUER SONG – GOOD OLD GLASSES

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GOOD OLD GLASSES – by Thomas Klehn 2015

Walking on my road again
Trying to solve a little puzzle
things I thought, that I forgot
still are working as a kind of pattern

I am tired of trying to squeeze the fruits
from my past out of the present
my memories are coloring everything
what is newly born to me

I want to get rid of my past
I don’t wanna see through good old glasses
I wanna see like a new born child again
Like the first time in a classroom

Its not me, its just memory

the clothes of this yesterday
are not fitting to my present
And I thank the lord, who had set this trap
For delivering solvation too

Why would we act like animals
led by instincts called our past
we are given mighty means our minds our dreams
for a reason … so look and see

Refrain

Its tendencies to bind me
I let them run into the vast
Cause I am awake and I won’t let loose
I am a Human being and much more.

Discrimination is the sword
Separating a lie from truth
And the right understanding would be a good shield
For guiding me and you

Refrain

HEUTE IST MEIN 15.361. GEBURTSTAG!

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happy birthday15.361. Tage – So lange bin ich jetzt hier. Heute Morgen dämmert mir, dass jeder neue Tag, den wir erleben dürfen, ein Geburtstag ist. Das Leben und die Welt präsentieren sich jeden Tag neu, anders, frisch, aber für viele von uns ist ein Tag wie jeder andere.

Sollten wir nicht jeden Tag auch als Todestag feiern? Als Abschied von den Seilen der Erfahrungen jedes der vergangenen Tage unseres Lebens? Sie versuchen, in jeden neuen Tag hineinzuwirken (hineinzupfuschen) indem sie uns bewerten, mögen, nicht mögen und versuchen lassen, Vergangenes in Neuem zu bestätigen oder zu widerlegen.

Ich wünschte ich könnte jeden Tag wie ein Kind erleben, ohne Vergangenheit, ohne Bezugspunkt, ohne Vergleich. Wäre das nicht Freiheit? Freiheit von den Personen der vergangenen 15.360 Tage?

DER LICHTSCHALTER

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Buch ChinmayanandaIrgendetwas war nicht so gelaufen, wie ich es mir vorgestellt hatte. Mich quälte ein Schmerz im Inneren meines Körpers. Auf der Suche nach Befreiung davon nahm ich das Buch “At every Breath a Teaching” zur Hand, blätterte und las wahllos darin herum, offen, eine Antwort auf eine spürbare Leere in mir zu finden. Ich las ein paar Anekdoten, die in zahllosen Varianten dokumentierten, wie suchende Devotees durch die Klarheit des Swamis Verständnis und Unterscheidungskraft gewannen.

Ich schlug das Buch wieder zu und betrachtete das Bild des lachenden Swami Chinmayananda auf dem Cover. Ich trat in einen inneren Dialog mit ihm. Wer führt mich eigentlich? Wo ist mein Meister? Welcher Meister kann mich leiten? Ich bin blind und ahnungslos. Ich blickte den Mann, den ich nie leibhaftig kennengelernt hatte, fragend und flehend an und spürte ein tiefes Vertrauen zu ihm. Seine Weisheit, die Fähigkeit, das Wissen um das Selbst, um Gott und die Formen Gottes in sich selbst anzuwenden, sprachen aus dem lachenden Bild von ihm.

Er fragte mich, wer fühlt den Schmerz? Wo liegt der Schmerz? Ich kannte die Antwort, in meiner Person. Und wer bin ich? Nicht die Person! Immer noch lachte mich der Swami an.

Plötzlich verstand ich, dass ich den Schmerz annehmen musste, akzeptieren musste, nicht als Teil von mir, sondern als Teil der begrenzten Erscheinung als Person. Augenblicklich war der Schmerz verflogen. Als hätte jemand das Licht eingeschaltet, und die trügerischen Schatten des Raumes waren verschwunden. Ich lächelte gerührt und dankbar zurück zu dem Meister, dessen Güte, Zuversicht und Weisheit sich selbst durch ein einfaches Foto transportiert hatten.

Es gibt weder Schmerz noch Leere noch Mangel in mir ohne auch Glück, Fülle und Überfluss. Alles ist in mir, auch wenn nicht alles gleichzeitig manifest und erfahrbar ist für meine Erscheinung als Mensch. Ich kann dankbar sein für jede Erscheinung deren Zeuge ich werde, selbst für den Schmerz oder das Gefühl des Mangels, denn sie sind es, die meine Erfahrung von Fülle und Glück erst ermöglichen.

Dank allen Meistern!

SPIEGEL KLEIDERSCHRANK

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Hemd
ZEIGE MIR DEINE KLAMOTTEN,
UND ICH SAGE DIR
WER DU GLAUBST ZU SEIN.

Beim Blick in meinen Kleiderschrank stelle ich fest, dass ich viel zu viele Klamotten habe. Es ist ein farblich formelles Durcheinander, das von einer gewissen Funktion abgesehen dafür herhalten muss, meiner Umwelt jeden Tag Aufschluss darüber zu geben, wer ich bin, wofür ich stehe und wie ich mich fühle.

 

KOMMUNIKATION UND IDENTIFIKATION

Kleidung ist ein Kommunikations- und ein Identifikationsmittel, ob ich mich täglich anders anziehe oder jeden Tag in den selben Klamotten rumlaufe, wie die Sadhus auf Indiens Straßen, die ihr Leben als Bettelmönche in ein oranges Tuch gehüllt führen. Ihr auffälliges Gewand sagt den Menschen schon von weitem, für welchen Lebensstil sie sich entschieden haben.

Wer mal in den Spiegel gucken will, tiefer als nur auf die Oberfläche seines Körpers, kann einmal genauer in seinen Kleiderschrank gucken und herausfinden, welche Personen sich da so aktuell verstecken und welche in den Tiefen des Schrankes verborgen sind. Vielleicht kann man auch entdecken, welche Person vor fünf oder zehn Jahren darin gewohnt haben und ob es noch dieselbe ist.

Der Kleiderschrank ist ein Spiegel unserer Selbstwahrnehmung. Unser jeweiliges Erscheinungsbild und damit der Inhalt unseres Kleiderschrankes passen sich im Laufe der Zeit den sich ändernden Meinungen und Überzeugungen unserer Person an.

Obwohl ich bei meinem letzten Umzug schon großzügig Teile meines Kleiderdepots ausgemistet, verschenkt und gespendet habe, füllen immer noch oder schon wieder zahllose Stücke die knapp 2 Kubikmeter meines Schrankes. Welche Personen gibt er im Moment her? Nach meinem dreimonatigen Ausflug nach Südindien bilden traditionelle, kunstvoll verzierte Stehkragenhemden in kurz und lang die hippe Cheerleadergang der Klamottenklasse, gefolgt von Funktionskleidung für Yogalehrer und –praktizierende in einschlägigen Farben, weiß und gelb. Nach Schwarz-Gothic-Düsterteilen muss ich schon tiefer graben, die Häute des Vertriebler-Medien-Fuzzis hängen seit einem Jahr unangetastet auf der Stange im Nebenschrank und warten auf Gelegenheit, wieder durch die Welt spazieren zu dürfen, genauso wie ein Trainingsanzug, der nur wenige Male das Innere eines Box-Centers gesehen hatte. Anscheinend gibt es einige Teile meiner Persönlichkeit, von der ich mich nicht oder noch nicht trennen möchte.

Aber es ist nicht nur das was sondern auch das wie viel, das etwas über die eigene Person aussagt. Ich finde Jacken über Jacken. Windjacken, Übergangsjacken, Ski-Jacken, Segel-Jacken, Lederjacken, unzählige Lederjacken, lange, kurze, schwarze, braune, blaue, grüne, Mäntel in allen erdenklichen Formen und Farben. Ich könnte damit eine ganze Fußballmannschaft über den Winter bringen. Getragen habe ich davon im letzten Winter genau eine. Dasselbe Spiel mit Hosen, Hemden und Pullovern, Socken und Unterwäsche. Und Schuhe, mein Schuhregal beherbergt alles, was man sich nur vorstellen kann. Gummistiefel, Bergsteigerschuhe, Wanderschuhe in hoch, Wanderschuhe in tief, Stiefel, Stiefeletten jeweils in grob und in elegant, Badelatschen, Sneaker in hoch und tief in orange, blau, grün, gelb, bunt, rot mit drei Streifen, mit Katzen drauf oder geschwungenem Bogen, die Lack- und Schnöselschuhe nicht zu vergessen, die zur Sicherheit aufgedruckt haben, was sie ausdrücken sollen.

SICHERHEITSSTREBEN

Hier offenbart sich ein weiterer Aspekt, der bei der Bestückung unseres Kleiderschrankes mitspielt. Der Drang danach, sich abzusichern, gewappnet zu sein, für jede mögliche Wendung im Außen aber auch im Inneren, die da kommen möge. Aber wie groß können die Wendungen schon sein, die uns heimsuchen und überraschen könnten, und in welcher Schlagzahl erscheinen sie? Ist es zu erwarten, dass ab morgen alle Geschäfte schließen werden und eine mehrjährige Eiszeit ausbrechen wird? Gut vorbereitet darauf wäre ich jedenfalls.

So stehe ich nun heute Morgen vor dieser bunten Ansammlung von Identitäten, Informationsschildern und Sicherungsmaßnahmen und habe den unbändigen Drang, auszumisten. Was sagt mir das wohl über meine Selbstwahrnehmung?

NEUES ICH

So bereitwillig wie wir uns von alten Klamotten trennen, geben wir nach und nach auch die Personen auf, die wir einst glaubten zu sein. Von Zeit zu Zeit lieben wir es, uns neu zu erfinden. Wenn das so ist, warum kämpfen wir dann in der Gegenwart so erbittert darum, unsere aktuelle Person gegen alles was von ihr abweicht zu verteidigen und zu behaupten, kämpfen um ihr Recht? Warum fällt es uns so schwer, unsere Person als das anzunehmen was sie ist. Ein zeitlich begrenztes Sammelsurium aus Erfahrungen, sich ändernden Vorlieben, Abneigungen und Meinungen und Überzeugungen. Was interessiert mich mein Gequatsche von gestern? Genau! Was interessiert mich mein Gequatsche von heute!? Das fragt kaum jemand.

Jede Überlegung führt mich unausweichlich zur Frage, wer bin ich wirklich, wenn nicht die verschiedenen sich ändernden Personen, die durch mein Leben und meinen Kleiderschrank ziehen? Können wir unser eigentliches Selbst neu erfinden oder ist es nicht einfach da, immer gleich, egal welches Kleidungsstück unseren Körper ziert?

Es ist gut und richtig. Wir identifizieren über die Kleidung Menschen, die zu unserem gegenwärtigen Bewusstseinszustand passen. Nichts ist anstrengender, als von Menschen umgeben zu sein, die einen gänzlich anderen Film fahren. Aber nichts kann einem mehr Inspiration bringen. Einen schönen Tag und viel Freude beim Betrachten Deines Kleiderschrankinhaltes.