Schlechte Laune

STÖRENDE GEDANKEN – WAS TUN?

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Störende gedanken 2

Angenommen Du bist mit der Absicht, einen letzten warmen Sommertag noch einmal so richtig zu genießen in den Park gegangen. Kaum hast Du es Dir auf Deiner Decke unter dem strahlend blauen Himmel mit einem guten Buch in der Hand so richtig gemütlich gemacht, lässt sich unweit von Dir eine Horde grölender Halbstarker mit derselben Absicht nieder. Kurz darauf erscheint ein Bauteam und beginnt unmittelbar neben Dir mit Baggerarbeiten für eine neue Wasserleitung zu dem Teich an dem Du Dich entspannen willst. Sämtliche Mitglieder des Landesverbandes der Hundezüchtervereine erscheinen mit den Gastdelegationen aus allen europäischen Partnerstädten samt dazugehörigen Vierbeinern unverhofft zum jährlichen Kampfbellwettbewerb mit anschließendem fröhlichen Hunderaufen auf dem verbleibenden Teil der Wiese um Dich herum. Was machst Du?

1. Du ärgerst Dich, bist besorgt, ob Deine Sicherheit durch Halbstarke, Bauarbeiten oder Hunde bedroht sein könnte. Du fühlst Dich gestört, zweifelst, wägst ab, kämpfst mit dem Widerwillen, Deinen Plan vom schönen letzten Sommertag aufzugeben, wirfst mit zornigen Blicken um Dich und verlässt nach langem Hin und Her entnervt den Platz. Zuletzt bleibt Dir wenigstens die Möglichkeit, Dich über diese unglaubliche Entwicklung bei Deinen Freunden auszuheulen. Was für eine Katastrophe! Der Ganze Tag versaut! Noch Tage später bist Du in die Enttäuschung über den missglückten Tag verbissen.

2. Du merkst sehr schnell, dass Dir der Trubel heute zu viel ist, und entscheidest Dich mit einem Lächeln im Gesicht, den benachbarten Park aufzusuchen. Dort bist Du überraschenderweise ganz für Dich allein, weil alle anderen Sonnenanbeter neugierig zur Spektakelwiese rüber gelaufen sind. Du lässt den Tag genussvoll und in Ruhe ganz für Dich ausklingen. Du freust Dich über den Ortswechsel, weil Du viel zu selten in diesen Park gehst und entdeckst, dass die Strahlen der untergehenden Sonne sich ganz wunderbar in einem Flaschenlichtspiel brechen, das jemand an den Ästen des Baumes über Dir aufgehängt hatte. Was für ein herrlicher Tag!

3. Du verfügst über göttliche Gleichmut und hast die Fähigkeit des Rückzugs der Sinne perfektioniert. Du lässt den Tumult um Dich herum sein was er ist. Du genießt den schönen Tag und blickst hin und wieder lächelnd zu den Halbstarken rüber, die Dich an die wilden Zeiten Deiner Jugend erinnern, beobachtest mit welcher Selbstverständlichkeit vier der fünf Bauarbeiter dem einen zusehen, der arbeitet und fühlst Dich durch den unglaubliche Artenreichtum der herumtollenden Tölen dankbar an die überwältigende Vielfalt des Lebens erinnert. Ein wahrlich schöner letzter Sommertag.

Störend ist immer das, was uns den gegenwärtigen Moment vermiest, was uns daran hindert, seiner Einzigartigkeit und Schönheit wahrnehmen und genießen zu können.

Wenn wir im Außen mit potentiell „Störendem“ konfrontiert werden, wissen wir meist genau was wir tun können. Wir ignorieren es oder entfernen uns aus dem Einflussbereich des Störenden, entweder sauer oder gleichmütig. Aber niemand, der sich wirklich gestört fühlt, würde sagen, oh ja, ich tauche jetzt so richtig in die Situation ein, ich habe ja keine Wahl, ich muss das jetzt bis ins Letzte auskosten, weil ich so unglaublich gern leide. Niemand lässt alles stehen und liegen, um sich ganz auf das Unerfreuliche zu stürzen. Wenn wir Störendes im Außen nicht ausblenden oder ignorieren können, gehen wir ganz natürlich auf Abstand dazu, das heißt, wir nehmen es aus unserer Wahrnehmung.

Warum reagieren wir so anders, wenn das Störende nicht im Außen sondern in uns auftaucht, als störendes Gefühl, angstvolle Erwartung oder Befürchtung zum Beispiel? Was machen wir in solchen Fällen? Wir haben dieselben Möglichkeiten wie bei Störungen im Außen – wahrnehmen und ignorieren, oder verärgert oder gleichmütig auf Abstand dazu gehen. Auch hier könnten wir unsere Wahrnehmung auf anderes lenken und die unerfreulichen Gedanken oder Gefühle ins Leere laufen zu lassen. Aber was machen wir?

Wir rufen laut juhu, da bist Du ja endlich, es geht mir grad‘ eh viel zu gut, ich lasse mich deshalb sehr dankbar direkt und ganz auf Dich ein, vergesse alles andere um mich herum, denn Du, verhasster Gedanke, unerwünschtes Gefühl, bist mir so nah, dass Du ich sein musst. Ich schenke Dir all meine Aufmerksamkeit, und wenn ich Dich verdränge, habe ich Dich nicht wirklich weiterziehen lassen, sondern gut an mich gebunden.

Das Meiste, das unser Geist in Bezug auf die Zukunft, Gegenwart oder Vergangenheit ausspuckt, ist reine Spekulation, Interpretation und Projektion. Wir halten den kleinen und begrenzten Blick unseres Verstandes so gern für das Nonplusultra, die einzige und absolute Wahrheit. Aber wie könnten wir jemals wissen, was passieren wird? Wir verstehen ja noch nicht einmal was gerade passiert oder passiert ist. Und das ist völlig normal, weil unser Verstand nun mal begrenzt ist. Er tut ja sein Bestes, zu analysieren, einzuordnen und zu verstehen, zu prognostizieren was geschehen wird, aber wir wissen doch sehr genau, dass er niemals treffsicher ergründen wird, welche Möglichkeiten und Überraschungen der nächste Moment unseres Lebens tatsächlich für uns bereithält. Das wäre ja auch sterbenslangweilig!

Also was können wir tun mit störenden Gedanken und Gefühlen?

1. Wir können uns vergewissern was an ihnen dran ist, indem wir zum Beispiel mit den Personen reden, die Gegenstand der jeweiligen Projektionen unseres Verstandes sind.

2. Wir können Zukunftsszenarien, ob schön oder beängstigend als das erkennen und sein lassen was sie sind, Ideen von dem was sein mag. Ideen, die sich einstellen mögen oder auch nicht.

3. Wir können uns bewusst auf die Wahrnehmung des gegenwärtigen Momentes besinnen, im Vertrauen darauf, dass zu jedem Zeitpunkt genau das in unser Leben kommt, was gut für unsere Entwicklung hin zum Glück und zur Freiheit ist.

4. Wenn sich unter Gefühle der Liebe, Vorfreude, Sehnsucht Ängste oder Befürchtungen mischen, können wir uns bewusst machen, dass die Liebe und Freude, die wir bereits erfahren haben, große Geschenke sind, die wie von selbst zu uns gekommen sind und dass wir niemals wissen können, ob und wie lange es uns vergönnt sein wird, diese schönen Seiten des Lebens weiterhin oder wieder zu erfahren.

5. Jeder Moment wird um ein Vielfaches wertvoller wahrgenommen, wenn er mit 100% unserer Aufmerksamkeit ausgekostet und erfahren wird. Wir wissen nie, ob wir noch einmal die Gelegenheit bekommen werden, einen ähnlichen Moment zu erfahren, zum Beispiel mit derselben Person. Das ist die Wahrheit. Wir können uns von der nicht vorhersehbaren Zukunft ängstigen lassen oder uns in der Annahme ihrer tatsächlichen Entfaltung von all dem erdrückenden Ballast des Zweifelns und Sorgens befreien und stattdessen das Leben erfahren, das wir gerade leben.

Natürlich wollen wir Momente, die wunderbar sind, gern festhalten und reproduzieren, aber sobald wir uns auf solche Gedankenspiele einlassen, laden wir automatisch auch Zweifel und Sorge in unsere Gedankenwelt ein, was kein Problem sein muss, wenn wir wissen, dass in Wirklichkeit nicht wir allein am Steuer sitzen und darüber entscheiden, was uns in der Zukunft erwartet. Es ist unser Umgang mit dieser Erkenntnis, die über die Qualität unseres Lebens entscheidet.

#Karma-Yoga